Therapie

Shigatoxin-bildende E.coli haben die unangenehme Eigenschaft, dass bereits kleine Mengen des hochtoxischen Giftes zu irreparablen Organschäden führen. Treten erste Anzeichen der Erkrankung auf, ist es für eine Therapie meist bereits zu spät.

Eine Behandlung von klinisch erkrankten Tieren kann mittels parenteraler Gabe von Antibiotika, Glukokortikoiden, Neuroleptika und Antihistaminika versucht werden, jedoch ist der Therapieerfolg sehr unsicher (Orban et al. 1993). Zudem birgt der Einsatz von Antibiotika auch einige Risiken:

  1. Selektion von resistenten Stämmen
  2. deutliche Verschlimmerung der Symptome durch vermehrte Freisetzung von Stx2e
  3. massives Freisetzen des spezifischen Endotoxins in der Zellwand beim Absterben der E. coli.

Folgen sind Schockreaktionen, Kreislaufversagen (Blaufärbung) und plötzliches Verenden der Tiere.

Probleme bei oraler Antibiose

Bei der oralen Gabe von Antibiotika ist das Erreichen eines effizienten Wirkstoffspiegels erschwert, da die Dosiergenauigkeit über das Futter oder Wasser ohnehin eingeschränkt ist und bei kranken Tieren durch ein reduziertes Allgemeinbefinden und einer damit einhergehenden, geringeren Futter- bzw. Wasseraufnahme nochmals erschwert wird. Zudem ist im Falle der Ödemkrankheit die Zeitspanne von der Aufnahme des Medikaments bis zum Erreichen eines effizienten Wirkstoffspiegels (Anflutungszeit) bei oraler Medikation aufgrund des raschen Krankheitsverlaufs ohnehin meist zu lang.

Vermeidungsstrategien

Bislang baut die Bekämpfung der Ödemkrankheit auf sogenannten Vermeidungsstrategien auf wie

  • Restriktives, wohldosiertes Anfüttern nach dem Absetzen
  • Einsatz von hochwertigen, aber teuren Futterkomponenten
  • Oraler, metaphylaktischer Einsatz von E.coli-wirksamen Substanzen

Es finden sich viele gute Ratschläge und Managementhinweise in Literatur und Praxis, doch häufig lässt der Erfolg der „Vermeidungsstrategien“ zu wünschen übrig. So wiesen Wissenschaftler aus Belgien (Vangroenweghe et al., IPVS 2010) in dem Zeitraum von 2006 bis 2009 eine deutliche Zunahme der krankmachenden E.coli-Stämme nach, die unter Laborbedingungen nach Antibiogramm nur noch eine mittlere Empfindlichkeit gegenüber Colistin aufwiesen. Von 8 % der Stämme in 2006 wuchs dieser Anteil in 2009 auf 28 % an (siehe Abb.).

Die metaphylaktischen Antibiose zum Zeitpunkt des Absetzens ist aufgrund der zunehmenden Resistenzentwicklung sehr verantwortungsvoll einzusetzen. Der prophylaktische Einsatz von Antibiotika ist bereits seit 2006 gesetzlich in Deutschland und anderen Ländern der EU verboten und der politische Druck, den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung zu reduzieren, hat gerade in jüngster Zeit noch einmal massiv zugenommen.

Schwachstelle Management

Es ist notwendig, die Hygienestandards, Haltungsbedingungen sowie das Bestandsmanagements kontinuierlich zu überprüfen und zu verbessern. In Bezug auf die Ödemkrankheit kommt jedoch auch der strategischen Fütterung eine wichtige Bedeutung zu.

Häufige Schwachstellen sind:

  • Fehlende Gewöhnung der Saugferkel an neue Futterquellen bzw. Futtertechnik
  • Ungleichmäßige Futteraufnahme durch Rangordnungskämpfe und ungünstiges Tier- /Fressplatzverhältnis
  • Entmischung der Arzneimittel in der Futterkette

Der Schwerpunkt der Bekämpfung der Ödemkrankheit muss auf vorbeugenden Maßnahmen aufbauen.

Dies sind:

  • Optimiertes Management/Hygiene (Rein-Raus-Verfahren, gutes Fressplatzverhältnis, keine Überbelegung)
  • Restriktive, rohfaserreiche Fütterung
  • keine abrupte Futterumstellung
  • Ansäuerung des Futters
  • ausreichende Tränkeversorgung
  • Impfung