Ödemkrankheit

Verbreitung

Die Ödemkrankheit (engl. Edema Disease, ED; syn. E. coli-Enterotoxämie) ist eine weltweit in Intensivhaltungen verbreitete lebensgefährliche Infektionskrankheit, die vorzugsweise bei Ferkeln während der ersten beiden Wochen nach dem Absetzen vom Muttertier auftritt. In einer deutschen Untersuchung zur Differenzierung krankmachender E.coli-Bakterien beim Absatzferkel wurden in 34 % der Fälle Shigatoxin-bildende E. coli nachgewiesen (Sting und Stermann 2008).

Die Synlab.vet GmbH / Labor Leipzig werteten die eingegangenen Proben der Jahre 2011/2012 aus und fanden in 37 % der Fälle mit Hilfe der PCR E.coli-Stämme, die das Shigatoxin Stx2e produzieren könnten.

Krankheitsbild

Am häufigsten tritt die Ödemkrankheit in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen auf. Besonders die schweren und am besten entwickelten Tiere einer Gruppe sind betroffen. Nur vereinzelt erkranken auch ältere Tiere.

Das Krankheitsbild der Ödemkrankheit wird durch eine starke Erregervermehrung der STEC im Darm mit anschließender Synthese des Shigatoxins Stx2e ausgelöst.

Dies wird begünstigt durch

  • die Futterumstellung nach dem Absetzen
  • zu hohe Pufferkapazität des Futters
  • mangelnde Durchsäuerung des Futterbreis im Magen
  • die veränderte Umgebungstemperatur und
  • Rangordnungskämpfe

Das Shigatoxin zählt zu den potentesten natürlich vorkommenden Giften. Es zerstört die feinen Blutkapillargefäße und verursacht Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe. Besonders betroffen sind Darm, Unterhaut und Gehirn. Daher finden sich bei Tieren, die nicht an einem perakuten Krankheitsgeschehen plötzlich versterben, Ödeme an Augenlidern, Nasenrücken und Darm. Weiterhin zeigen die Tiere Krämpfe, Lähmungen, Ruderbewegungen in Seitenlage in Folge neurologischer Ausfallerscheinungen. Zusätzlich können Durchfall und Dehydratation beobachtet werden, wenn neben dem Shigatoxin auch weitere Enterotoxine (LT und ST) gebildet werden. Als markantes Zeichen von Kehlkopfschwellungen sind schrille, untypische Schreie der Schweine zu hören. Es ist eine Frage der Giftdosis, ob die Schweine innerhalb von Stunden verenden oder in der weiteren Aufzucht als Kümmerer hinter den Leistungen ihrer Buchtengenossen zurückbleiben.