FAQ - Frequently asked questions

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Welche Keime verursachen die STEC-Erkrankung/Ödemkrankheit?

Für die STEC-Erkrankung sind sehr spezifische Escherichia Coli -Typen verantwortlich. Diese E.coli produzieren das Shigatoxin 2e (Stx2e) (e=edema disease). Für diesen Erreger sind F18-Fimbrien typisch. Zu den bevorzugten Shigatoxin-bildenden E.coli (STEC) beim Schwein zählen die Serotypen O138, O139 und O 141.

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Woran erkennt man das Krankheitsbild der Shigatoxin-bildenden E.coli (STEC)?

Erkrankungen mit STEC treten erst bei Absatzferkeln auf und haben einen akuten bis perakuten Verlauf: Häufig sind mehrere Tiere einer Gruppe betroffen. Insbesondere die stärksten Ferkel mit der höchsten Futteraufnahme verenden plötzlich. Neben der erhöhten Mortalität sind typische Symptome:

  • Ödeme an Augenliedern, der Magenwand, der Gallenblasenwand und des Mesenteriums
  • Schrilles Quieken durch Ödeme am Kehlkopf
  • Zentralnervöse Störungen wie unkoordinierten Bewegungen in Seitenlage, Lähmungen, Schreckhaftigkeit und Muskelzuckungen

DURCHFALL ist jedoch kein Symptom der Ödemkrankheit!

ACHTUNG: Akute Todesfälle werden auch durch sogenannte ENDOTOXINE (<-> ENTEROTOXINE) verursacht! Sie entstehen beim Zerfall der E. coli - Bakterien, z.B. nach der Behandlung mit einem Antibiotikum.

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Hat die Ödemproblematik etwas mit dem Saugferkeldurchfall zu tun?

Nein!

STEC / Ödemkrankheit tritt grundsätzlich erst nach dem Absetzen der Saugferkel auf. Verursacher der Ödemkrankheit sind E.coli-Typen, die das Shigatoxin Stx2e bilden. In der Regel sind dies hämolysierende E.coli, die über F18-Fimbrien (frühere Nomenklatur F107) verfügen. Serotypen, die diese Virulenzfaktoren tragen sind O138, O139 und O141.

Saugferkeldurchfall kann viele Ursachen haben. Er kann u.a. auch durch E.coli verursacht werden, jedoch nicht durch STEC. Für Durchfall bei Saugferkeln verantwortliche E.coli (ETEC) verfügen über die Adhäsine F4, F5, F6 und F41. Die Toxine, die dabei von ihnen gebildet werden, sind das hitzelabile (LT) und hitzestabile Enterotoxin (ST).

E.coli bedingter Durchfall bei Absatzferkel ist ebenfalls ein erhebliches Problem. Ursache sind hier wieder die Toxine LT und ST. Diese werden von E.coli-Typen (ETEC) mit den Adhäsinen F4 und F18- verursacht.

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Diagnostik: Welches Probenmaterial, welche Untersuchungen, welche Labore führen Diagnostik auf STEC durch?

Probenmaterial:

Ideal ist Entnahme von Darminhalt bei der Sektion von Ferkeln mit klinisch eindeutigen Symptomen (Ödeme an Augenliedern, der Magenwand, der Gallenblasenwand und des Mesenteriums und zentralnervösen Störungen).

In der Praxis häufiger ist das Einsenden (Expressversand) von Kottupfern klinisch kranker, aber unbehandelter Schweine. Im Sommer sollten die Kottupfer gekühlt gelagert und versendet werden.

Untersuchungsmethoden:

Bei der BU wird u.a. die Fähigkeit zur Hämolyse (siebe Abb. 1) untersucht, ein typisches Pathogenitätsmerkmal für STEC.

Abb. 1: Kolonien von Shigatoxin-bildende E.coli (STEC)

Abb. 2:Untersuchung von Virulenzfaktoren unterschiedlicher E. coli Stämme in der Multiplex-PCR (Casey und  Bosworth, 2009). DNA Größenmarker (M), Negativkontrolle (1) und Amplifikate unterschiedlicher E. coli Isolate (2-4). Die Banden weisen die Gene für F4-Fimbrien (F4), F6-Fimbrien (F6) und F18-Fimbrien (F18) sowie für die Gene des Hitzestabilen Enterotoxin I (Sta), des Hitzestabilen Enterotoxin II (Stb), des Hitzelabilen Enterotoxin (LTb) und des Shigatoxin 2e (Stx2e) nach. Spur 2 und 4 zeigen Bandenmuster enterotoxischerE. coli, Spur 3 das typische Bandenmuster eines Ödemkrankheit auslösenden, Shigatoxin produzierenden E. coli mit Nachweis der Gene für F18-Fimbrien und Shigatoxin 2e.

 

Weitverbreitet ist die O-Typisierung mittels Serumagglutination, bei der die typischen STEC Serotypen O138:K81, O139:K82 und O141:K85 nachgewiesen werden.

Die Virulenzfaktoren Stx2e und F18ab oder F18ac werden über die PCR identifiziert.

Folgende Laboratorien führen z.B. die Bestimmung der Virulenzfaktoren durch:

Synlab.vet GmbH

Deutscher Platz 5 e

D-04103 Leipzig

Tel.: 0341 / 230710 -0 / -10

Fax: 0341 / 230710 50

Nutzen Sie den IDT-Diagnosegutschein für einen Shigatoxin-Check  !!

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Institut für Hygiene und Infektionskrankheiten der Tiere

Frankfurter Str. 89-91

D-35392 Gießen

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CVUA

Schaflandstraße 3/ 2

70736 Fellbach

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Staatliches Veterinäruntersuchungsamt Arnsberg

 

59821 Arnsberg

Telefon  +49 2931 / 809256

Telefax  +49 2931 / 809290

Martin.Peters@SVUA-Arnsberg.NRW.de

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Tierärztliche Hochschule Hannover

Dr. Jutta Verspohl

Institut für Mikrobiologie

Bischofsholer Damm 15

30173 Hannover

Tel.: 0511 / 856 73 50 Fax: 0511 / 856 76 97

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Wie unterscheidet man die Infektion mit STEC von einer Streptokokkeninfektion?

Differentialdiagnostischen Unterscheidung
(nach WALDMANN und WENDT et al., 2001)

Klinische Erscheinungen

Ödemkrankheit

Streptokokken-
meningitis

- sensorische Störungen (Apathie, Somnolenz (Bewusstseinstrübung), Koma)

++

++

- motorische Ausfallerscheinungen
· Paresen (Lähmung)
· Ataxien (Koordinationsstörung)

 

++
++

 

+
+

- motorische Reizerscheinungen :
· tonische Krämpfe(unwillkürliche Muskelzusammen-
ziehung von großer Stärke und langer Dauer)
· klonische Krämpfe (wenn die Spannung mit
Erschlaffung in schneller Folge wechselt)
· Nystagmus (Augenzucken)
· Opisthotonus (Überstreckung)

 

+

+

(+)
-

 

++

++

+
++

- Fieber

-

+

- akuter Verlauf

+

+

- mehrere Tiere einer Gruppe betroffen

++

+

- mehrere Gruppen betroffen

+

+

- Tiere nach dem Absetzen betroffen

+

+

- Fütterungsfehler

+

-

- Hygienefehler

+

+

- therapieresistent bei AB-Gabe

+

-

- Ödembildung (Nasenrücken, Augenlider,
Kehlkopf, Dickdarmgekröse, Gallenblasen-
wand, Magenwand)

++

-

- Stimmveränderung bis hin zur Aphonie

+

-

- eitrige Meningitis

-

+

- septikämischer Schock

+

+

- perakutes bis akutes Verenden

++

(+)

- weitere klinische Krankheitserscheinungen
(vorher, gleichzeitig)

(+)

++

 

 

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Wodurch wird das Auftreten der Ödemerkrankung in einem Bestand begünstigt?

Durch:

  • Futterumstellung nach dem Absetzen
  • Ungünstiges Tier-Fressplatzverhältnis/Überbelegung
  • zu hohe Pufferkapazität des Futters
  • Verwendung von nicht optimalem oder zu hochverdaulichem Ferkelfutter (Proteinüber- und Rohfaserunterversorgung)
  • mangelnde Durchsäuerung des Futterbreis im Magen
  • veränderte Umgebungstemperatur und
  • Rangordnungskämpfe
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Wie beeinflusst das Tier-Fressplatz-Verhältnis das Auftreten der Ödemkrankheit?

Das Tier-Fressplatz-Verhältnis sollte 1:1 oder max. 2:1 betragen. Eine Überbelegung ist kontraproduktiv, da immer die stärksten und schwersten Tiere zu erst und zu viel fressen. Eine zu hohe Futteraufnahme in den ersten Tagen nach dem Absetzen begünstigt das Auftreten der Ödemkrankheit.

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Kann die Ödemkrankheit über die Fütterung beeinflusst werden?

Die Ödemkrankheit steht u.a. in einem direkten Zusammenhang mit der Futterumstellung beim Absetzen, da das komplexe System im Darm durch verschiedene Einflüsse gestört wird. Dadurch können sich u.a. Shigatoxin produzierende E.coli – die Erreger der Ödemkrankheit – stark vermehren.

Eine begrenzte Futtermenge, ein ausreichend hoher Rohfasergehalt und eine eiweißarmes Futter entsprechen in dieser Lebensphase einer „verdauungsgerechten  Ernährung“, bezogen auf die Aktivitätsentwicklung der verschiedenen Verdauungsenzyme.

 

Quelle: Kleine Klausing 2003

Ebenso bedeutsam wie das Futter ist jedoch auch die Wasserversorgung. Bei einer zu geringen Wasserversorgung, verklumpt das aufgenommene Futter im Magen und wird  nicht  ausreichend  durchsäuert, wodurch wiederum die Gefahr einer übermäßigen Vermehrung pathogener Darmkeime wie STEC zunimmt.

Daher sollten ausreichend Fressplätzen auch ausreichend Tränken mit einem Wasserdurchfluss von 500 bis 800 ml/min. zur Verfügung stehen. Die Wassertemperatur sollte möglichst nicht deutlich unter 10°C liegen.

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Wie kann die Ödemkrankheit verhindert bzw. das Krankheitsgeschehen entschärft werden?

Durch

  • Restriktives, wohldosiertes Anfüttern nach dem Absetzen
  • Einsatz von hochwertigen, aber teuren Futterkomponenten
  • Tier-Fressplatz-Verhältnis 1:1 oder max. 1:2 nicht überschreiten
  • Oraler, metaphylaktischer Einsatz von E.coli-wirksamen Substanzen
  • Zukunft: Ferkelimpfung
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Trotz Medikation immer wieder STEC?

Häufig wird über das Futter medikiert. Dies birgt folgende Fehlerquellen:

  • Unter- bzw. Überdosierungen
  • Fehlerhafte Durchmischung
  • zu geringe Futteraufnahme bereits erkrankter Tiere
  • Entmischung in der Futterkette
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Wie hoch sind meine finanziellen Verluste durch die Ödemkrankheit?

Weltweit versursacht die Ödemkrankheit den Landwirten enorme Verluste. Diese schlagen neben 10 % Verlusten und mehr als 5 % Kümmerern im Flatdeck mit 83,60 € weniger direkt-kostenfreien Leistungen/Sau und Jahr zu Buche (LfL 2011). Hinzu kommen Tierarzt- und Behandlungskosten sowie ggf. Spezialfutter.

Aber auch durch eine restriktive Fütterung kommt es zu Einbußen, da sie die natürliche Wachstumsleistung im Flatdeck verringert. Eine Absenkung der Tageszunahmen von 470 g auf 420 g/Tag bedeutet bei 7 Wochen Aufzucht: 2,5 kg weniger Verkaufsgewicht, entspricht immerhin noch einer Mindereinnahme von 29,00 €/Sau und Jahr.

Mit dem Deckungsbeitragsrechner können Sie in wenigen Schritten Ihre derzeitigen Verluste durch die Ödemkrankheit ausrechnen.